Ärztlicher Kreisverband Regensburg
Körperschaft des öffentlichen Rechts

Vom Collegium medicum zum Ärztlichen Kreisverband - Historie und Tradition der Regensburger Ärzteschaft

Bereits im Jahre 1626 schlossen sich die Regensburger Ärzte zum "Collegium medicum" (Abkürzung: eigentlich medicorum) zusammen. Anlass für diese Gründung waren Bestrebungen, Streitigkeiten der Ärzte untereinander zu schlichten und Berufsfremde von der Ausübung einer Heilpraxis auszuschließen. Mit der Entsendung von 2 Mitgliedern des Inneren Rates (Ratsherren, Nichtärzte) sollten die Berufspflichten der Ärzte überwacht werden. Die Mitglieder konnten im Kollegium auch ihre Standesinteressen vertreten, berufspraktische Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse austauschen.

Collegium medicum 1670 - 1806
Wollte sich ein Arzt in Regensburg niederlassen, hatte er einen umständlichen Instanzenweg zu durchschreiten, dessen Zeremoniell z. B. in der Zeit des Rokoko genau umrissen war. Zunächst hatte sich der angehende praktische Arzt in rotem Mantel beim Stadtkammerer (Bürgermeister) vorzustellen und ihm eine Bittschrift zu überreichen, in der er um Erlangung des Bürgerrechts und um Erlaubnis zur Praxiseröffnung nachsuchte. Dem Gesuch mussten das Original seines Doktordiploms sowie mehrerer Exemplare seiner Doktorarbeit beiliegen. Die Existenz seiner Person hatte er durch Beifügung der Taufurkunde zu bescheinigen. Mit Mantel und Degen machte er hierauf jedem der Ratsherren seine Aufwartung, überreichte jedem einen Abdruck seiner Dissertation und des Diploms und bat um Befürwortung seines Gesuches. Am Beratungstag musste er abermals in Mantel und Degen vor den Herren des Rats erscheinen, die ihm dann den Zeitpunkt mitteilten, an dem er ihren Beschluss erfahren konnte. Erst dann stand der Praxiseröffnung nichts mehr im Wege. (zit. Nach Bauer, Karl: Regensburg - Geschichte und Geschichten. Regensburg, 1988, 4. Aufl. S 798 ff.)

Regensburg war die Stadt des Immerwährenden Reichstags (1663 - 1806) und damit auch Sitz von etwa 70 Gesandtschaften ausländischer Staaten und deren Gefolge. Diese brachten ihre eigenen Ärzte mit. Das Regensburger Gesundheitswesen wurde dadurch -zwangsläufig- bald weltoffen und tolerant.

In seinem Werk "Medizinische Ortsbeschreibung der Stadt Regensburg" stellt der Thurn-und -Taxis'sche Leibarzt Jakob Christian Schäffer im Jahre 1787 folgendes fest: "Toleranz mit ihren in- und ausländischen Einwohnern ist ein Charakterzug der Regensburger ..... überhaupt ist der Umgang in Regensburg, das aus so mannigfachen Gliedern besteht wie evangelische Reichsstadt und vier katholische Reichsstände, eben sehr kommod, und jeder kann ungezwungen und nach seinem Geschmack leben. Die Verschiedenheit der Religionen hat auf das Gesellschaftliche nicht den geringsten Einfluss ... dieser ungezwungene, gesellige und abwechselnde Umgang macht auch, dass Fremde, die von großen, erfolgreichen Städten kommen, nach und nach Regensburg so liebgewinnen, dass sie es ungern wieder verlassen und selbst oft ihren Geburtsorten vorziehen."

Nach der Auflösung des Hl. Römischen Reiches dt. Nation und damit auch des Immerwährenden Reichstags wurde es in der alten Ratisbona erheblich ruhiger. 1810 verlor Regensburg den Status Freie Reichsstadt und kam zu Bayern, dessen erste Hauptstadt es früher über 400 Jahre (800 - 1200) gewesen war. Zugleich wurde es Regierungssitz für die Oberpfalz und löste die alte Hauptstadt Amberg ab. Im 19. Jahrhundert sinkt Regensburg dann in eine Art Dornröschenschlaf. Dies hatte auch sein Gutes, denn die Stadt blieb auf diese Weise eine wahre Schatzkammer der Kultur und Kunst vergangener Jahrhunderte.

Im Jahr 1870 kam es im Zuge der Deutschen Reichsgründung zu einer Neuorganisation des Medizinalwesens. Es erfolgte im Jahre 1870 die Gründung des "Ärztlichen Bezirksvereins Regensburg" als Nachfolgeorganisation des "Collegium medicum". Im Jahre 1950 erfolgte die Umbenennung in "Ärztlicher Kreisverband Regensburg", Körperschaft des öffentlichen Rechts, Mitglied im Ärztlichen Bezirksverband Oberpfalz und der Bayerischen Landesärztekammer.

Nach dem zweiten Weltkrieg, der glücklicherweise die Regensburger Altstadt nicht zerstörte, wurden die historischen Schätze der Stadt allmählich entdeckt. Neue Verkehrserschließungen, Industrieansiedlungen und die Eröffnung der vierten Landesuniversität ließen Regensburg bald wieder zu einer lebendigen Stadt werden.

Ein gewaltiger Meilenstein in der Medizingeschichte Regensburgs war die lang ersehnte Gründung der medizinischen Fakultät im Jahre 1979, Eröffnung des Universitätsklinikums 1989. Vorgänger war eine kurzlebige Vorklinik unmittelbar nach 1945/46 mit einer Reihe namhafter Medizinprofessoren, die in erster Linie aus der Medizinischen Fakultät der Deutschen Karls Universität zu Prag stammten.

Jetzt, zum Ende des Jahres 2015, zählt der ÄKV Regensburg über 3.000 Mitglieder und ist damit der 5. größte Kreisverband in Bayern.

Zu unserem ÄKV-Einzugsbereich gehören die Kliniken

  • Bezirksklinikum
  • Caritas-Krankenhaus St. Josef
  • Klinik St. Hedwig
  • Krankenhaus der Barmherzigen Brüder 
  • Kreiskrankenhaus Wörth 
  • Universitätsklinikum

Rund 600 Kollegen sind in freier Praxis niedergelassen, über 1.300 sind in den Kliniken tätig, ca. 260 Kolleginnen und Kollegen erfreuen sich des Ruhestandes und etwa 600 sind derzeit ohne ärztliche Tätigkeit, meist familiär bedingt.

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