Ärztlicher Kreisverband Regensburg
Körperschaft des öffentlichen Rechts

Abschlussveranstaltung der Corona-Führungsgruppe im Nepal-Himalaya-Park

Dr. Wolfgang Sieber und der Vorstand des ÄKV Regensburg Dr. Gert Rogenhofer luden die „Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK)“ und die Vertreter der Ärzteschaft zu einer Abschlussveranstaltung in den Nepal-Himalaya-Park ein.

Doktor Wolfgang Sieber (8.von links) und Doktor Gert Rogenhofer (5 von links luden „Führungs-gruppe Katastrophenschutz (FüGK)“ und die Vertreter der Ärzteschaft zu einer Abschluss-veranstaltung. Foto: Meilinger

aus der „Donaupost" vom 29.06.2020

Wiesent/Landkreis. (ms)
Der Katastrophenfall, der aufgrund der Corona-Pandemie am 16. März 2020 ausgerufen worden ist, war eine große, noch nie da gewesene Herausforderung für Politik und Ärzteschaft. Für die Stadt und den Landkreis Regensburg wurde eine „Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK)“ einberufen, die für das Coronavirus-Testzentrum im Jahnstadium zuständig war.

Am Freitag ging die zentrale Ambulanz in den Stand-by-Modus, Doktor Wolfgang Sieber, bis vor kurzem ärztlicher Direktor des Kreiskrankenhauses Wörth und Doktor Gert Rogenhofer, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes Regensburg, luden daher zu einer Schlussveranstaltung ein. Als Treffpunkt wurde der Nepal-Himalaya-Park ausgewählt, der von Margit und Heribert Wirth zur Verfügung gestellt wurde.
Unter den Gästen waren Vertreter des Universitätsklinikums, des Kreiskrankenhauses Wörth, der Barmherzigen Brüder, des Sankt Josef Krankenhauses, Haus- und Fachärzte, der Stadt und des Landkreises sowie des Gesundheitsamtes. Neben dem Erfahrungsaustausch stand eine Führung durch die weitläufige Anlage auf dem Programm.

Wirth erläuterte die Geschichte des Gartens

Heribert Wirth erläuterte der Gruppe die Entstehungsgeschichte des Parks, den er in einem ehemaligen Steinbruch errichtete. Wirth suchte ein Gelände, in dem er den Nepal-Himalaya-Pavillon errichten konnte, den er am Ende der Weltausstellung 2000 in Hannover erworben hatte. Im Jahr 2003 wurde die Gartenidylle eröffnet, rund um den Pavillon erstrecken sich liebevoll arrangierte Bereiche, wie der Heide-, Japan- und Chinagarten, der Abschnitt Shangri La und der große Teich, an dem der große Buddha zufrieden seine Blicke schweifen lässt. „Der jüngste Teil heißt „Brücken verbinden“, der Steppengarten ist als Ort des Friedens und der Toleranz gestaltet. „Die Brücken stehen für ein friedliches Miteinander“, erläuterte Wirth und informierte über die gewebte Bogenbrücke. Dieses Meisterstück ist die einzige ihrer Art außerhalb Chinas, die raffinierte Konstruktion wurde in aufwändiger Handarbeit angefertigt. „Nach dem Ausrufen des Katastrophenfalls war die Ärzteschaft gefordert. Die  Zusammenarbeit mit der Politik stand im Vordergrund, Priorität war, die Menschen zu schützen“, betonte Doktor Rogenhofer. Mit Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Oberbürgermeisterin der Stadt Regensburg und Landrätin Tanja Schweiger wurden viele Sitzungen, meist als Telefonkonferenzen, abgehalten und sich Gedanken gemacht, wie mit dieser neuen Situation umgegangen werden müsse.

Zentrale Ambulanz im Jahnstadion eingerichtet

Unter Mitarbeit von Infektiologe Professor Doktor Bernd Salzberger und Virologe Professor Doktor Wolfgang Jilg wurde sich mit der Umsetzung des weiteren Geschehens in Theorie und Praxis auseinandergesetzt, so wurde etwa eine Handreichung für Kliniken und Praxen erarbeitet. Entschieden hatte man sich für die zentrale Ambulanz im Jahnstadium, die für Patienten niedergelassener Ärzte eine Anlaufstelle für die Region sein sollte. Damit wollten die Stadt und der Landkreis den steigenden Herausforderungen in den nächsten Wochen gerecht werden.
Die zentrale Ambulanz sollte eine Ergänzung zum Testzentrum am Universitätsklinikum Regensburg sein, sowie die Notaufnahmen der Krankenhäuser und die Praxen der Allgemeinmediziner entlasten. Die Leitung der FüGK übernahm Doktor Markus Zimmermann, als Versorgungsarzt für die Stadt wurde Doktor Stefan Semmler eingesetzt, für den Landkreis war Heribert Szika zuständig. Viele Menschen wussten anfangs nicht, wohin sie sich wenden können, um bei Symptomen einen Test durchführen zu können. Mit dem Testzentrum wurde kurzfristig eine Anlaufstelle geschaffen, in der schnell Ergebnisse geliefert werden konnten.

Über 18 000 Personen in drei Monaten betreut

„Wir haben über 18000 Personen im Jahnstadion betreut, bei 5,65 Prozent wurde ein positives Ergebnis festgestellt“, bezifferte Semmler. Diejenigen bei denen eine Infizierung diagnostiziert wurde, wurden beim Gesundheitsamt gemeldet und je nach Gesundheitszustand in Quarantäne gesteckt oder an die Krankenhäuser verteilt. „Die Größe des Areals und des Veranstaltungszentrums im Fußballstadion machten es möglich, die Menschen optimal zu trennen, um die Registrierung und Untersuchung im Hinblick auf den Infektionsschutz
durchzuführen“, hob Semmler hervor. „Wir haben in dieser Ausnahmesituation einen guten Schulterschluss zwischen Politik und Ärzteschaft gefunden. Es hat nicht lange gedauert, bis eine optimale Koordination gefunden wurde“, meinte Rogenhofer und auf die Frage, ob eine zweite Welle kommen würde antwortete er: „Die Virologen rechnen mit einer neuen Welle, die aber langsam ansteigen wird. Das wird uns Zeit geben, zur reagieren und Plätze in den Kliniken vorzuhalten. Einen weiteren Lockdown halte ich für unwahrscheinlich.“

Oberbürgermeisterin dankte den Gästen

Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer richtete Dankesworte an die Gästeschar: „Wir haben erkannt, dass wir über die ärztliche Versorgung in unserer Region glücklich sein können. Vor allem die Pflegekräfte haben eine große Last getragen.“ Landrätin Schweiger
sagte: „Ich hatte das Gefühl, das jeder weiß, was er tut. Die Vorschriften mussten eingehalten werden, es wurde ruhig und mit Verstand agiert und auch das Leben ringsherum im Auge behalten.“
Abschließend übergab die Besuchergruppe eine Spende an das Ehepaar Wirth. Mit dem Betrag wird die Hilfsorganisation ASHA in Kathmandu/Nepal unterstützt. Die Eltern der Slum-Kinder arbeiten meist für einen Hungerlohn in Ziegeleien oder leben vom  Flaschensammeln.
Bei den Projekten wird den Mädchen und Buben mit frühkindlicher Erziehung, Gesundheitsvorsorge, Ernährung und Kleidung geholfen. Momentan engagiert sich Wirth beim Bau einer Schule mit Hostel, während der Woche bleiben die Schüler in ihrem neuen Heim, am Wochenende werden sie zu ihren Eltern gebracht, da die Bindung zu den Familien erhalten bleiben soll. Infos zum Projekt gibt es unter nepal-himalaya-pavillon.de.


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